Strategische Vorbereitung auf die neue Baseler Rahmenvereinbarung

March 15, 2016 – Von Nicola Hortin, Leiterin des Teams für regulatorische Analysen, EMEA, AxiomSL

Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (Bank for International Settlements, BIS) hat neue Regeln dafür Nicola Hortin - Head of Regulatory Analysis Team, EMEA, AxiomSLveröffentlicht, wie viel Kapital Banken vorhalten müssen, um ihre Exposition gegenüber Ausfall- und Marktrisiken zu mindern. Banken sind begierig darauf zu verstehen, welche Auswirkungen der standardisierte Ansatz für die Messung von Kontrahentenausfallrisiken (Standardized Approach for Measuring Counterparty Credit Risk Exposures, SA-CCR) und die grundlegende Überarbeitung des Handelsbuches (Fundamental Review of the Trading Book, FRTB) für sie haben werden. Dennoch sollten sie die anderen Neuberechnungen nicht aus dem Blick verlieren, die als Teil der Überarbeitung des Baseler Eigenkapitalrahmens eingeführt werden.
Zusätzlich zum SA-CCR und der FRTB werden Änderungen hinsichtlich der Art und Weise vorgenommen, wie Banken ihren Kapitalbedarf für die Abdeckung ihrer Exposition gegenüber zentralen Vertragsparteien (central counterparties, CCP), operationellen Risiken und Ausfallrisiken aufgrund von Verbriefungen berechnen. Es wird auch einen neuen Rahmen für die Messung und Überwachung von Großkrediten sowie Änderungen der Risikogewichtungen im standardisierten Ansatz für Kreditrisikokapitalberechnungen geben. Diese Änderungen sind so zahlreich und so bedeutend, dass sie, obwohl sie Teil von Basel III sind, von einigen jetzt als „Basel IV“ bezeichnet werden.
Es gibt beträchtliche Überschneidungen zwischen den Daten, die für all diese neuen Berechnungen benötigt werden, und viele der Berechnungen voneinander abhängig sind. Beispielsweise werden einige Produktdaten für sämtliche Berechnungen benötigt, und die Ergebnisse des SA-CCR fließen in die Berechnungen für Großkredite und die kreditrisikobezogene Bewertungsanpassung (credit valuation adjustment, CVA) ein. Daher ist es wichtig, dass Banken hinsichtlich des gesamten Pakets der neuen Baseler Kapitalregeln strategisch planen und sich nicht nur isoliert auf den SA-CCR und die FRTB konzentrieren.

Vernetzte Anforderungen

Banken, die nicht die Gesamtheit aller neuen Baseler Kapitalregeln bedenken, laufen Gefahr, am Ende für jede der Berechnungen ein separates System zu verwenden. Angesichts des sich überschneidenden und vernetzten Wesens der Anforderungen steht klar, dass dies extrem ineffizient und unnötig komplex wäre.
Die effizienteste Art für Banken, mit den neuen Baseler Kapitalregeln umzugehen, ist die Nutzung einer einzigen Plattform für die Durchführung aller verschiedenen Berechnungen. Dadurch können Banken es vermeiden, dieselben Daten in viele verschiedene Systeme eingeben zu müssen, sie können die Konsistenz der für die verschiedenen Berechnungen verwendeten Daten sicherstellen, und es wird einfacher für sie sein, die Ergebnisse einzelner Berechnungen in andere damit zusammenhängende Berechnungen zu übertragen.
Bei der Vorbereitung auf die neuen Baseler Kapitalregeln müssen Banken auch bedenken, wie sie mit der zeitlich gestaffelten Einführung der Anforderungen umgehen, die stufenweise über mehrere Jahre erfolgen wird. Viele Banken tun sich aufgrund der fehlenden Flexibilität ihrer Technologie schwer damit, mit rasch aufeinander folgenden regulatorischen Veränderungen Schritt zu halten. Häufig stellen diese Banken fest, dass sie für die Umsetzung jeder regulatorischen Veränderung ein umfassendes Software-Update benötigen. Die Installation und die Testphase eines solchen Updates sind ein langwieriger und komplizierter Prozess, der von der Zeit abgeht, die Banken für die Vorbereitung auf eine regulatorische Veränderung zur Verfügung steht. So steigt die Gefahr, die Frist nicht einhalten zu können.
Um sicherzustellen, dass sie mit der Umsetzung der neuen Baseler Kapitalregeln Schritt halten können, sollten Banken eine Berechnungsplattform nutzen, die die regulatorische Funktionalität vom Kern der Plattformfunktionalität trennt. Dann kann eine Bank, wenn die Endversion einer der neuen Berechnungen veröffentlicht wird, diese der Plattform schnell hinzufügen, ohne ein Update der gesamten Infrastruktur durchführen zu müssen, was auch andere Funktionalitäten und Nutzer beeinträchtigen würde.

Ineffiziente manuelle Berechnung

Aktuell ist es für Banken vorrangig zu verstehen, ob ihr Kapitalbedarf steigen wird, wenn die neuen Baseler Regeln in Kraft treten, und, falls das der Fall ist, sicherzustellen, dass sie angemessen kapitalisiert sind. In der Vergangenheit haben sich viele Banken auf Tabellen verlassen, um manuell zu berechnen, wie sich neue Kapitalanforderungen für sie auswirken. Das ist ein extrem umständlicher Ansatz, der ein erhöhtes Fehlerrisiko mit sich bringt. Außerdem ist er höchst ineffizient, da die Banken, wenn die Anforderungen in Kraft treten und sie ihre Berechnungen automatisieren wollen, die bereits durchgeführte Arbeit wiederholen müssen, um ihr regulatorisches Berechnungssystem zu aktualisieren.
Diese Situation können Banken vermeiden, indem sie ihre Auswirkungsanalysen innerhalb ihres regulatorischen Berechnungssystems durchführen – indem sie zum Beispiel die neuen SA-CCR-Berechnungen parallel zu ihren aktuellen Ausfallrisikoberechnungen vornehmen. Dieser Ansatz erleichtert es den Banken, die Berechnungen über einen langen Zeitraum durchzuführen, um ein umfassenderes Bild der Auswirkungen zu erhalten. Er gibt ihnen auch mehr Vertrauen in die Korrektheit der Ergebnisse, da sie alle auf Betriebsdaten basieren. Und wenn die Anforderungen in Kraft treten, haben die Banken die Berechnungen innerhalb ihrer Infrastruktur für die Erfüllung gesetzlicher Auflagen bereits angelegt.
Die neuen Baseler Regeln werden bedeutende Teile des bestehenden Eigenkapitalrahmens verändern. Durch strategische Berücksichtigung sämtlicher anstehenden Änderungen können Banken sicherstellen, dass ihre Anpassung an die neuen Regelungen reibungslos verläuft.
This article was originally published by Börsen-Zeitung.



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