AnaCredit rückt immer näher

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Von Ralf Menegatti, Product Owner, Asset Management, EMEA, AxiomSL

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Blick auf das Kreditrisikoengagement gerichtet. Infolge der Finanzkrise hat die Aufsichtsbehörde eine Reihe neuer Maßnahmen eingeführt, deren Ziel die Erhebung von granulareren Daten über Von Ralf Menegatti, Produkt Manager Finanzberichte / Meldewesen EMEA, AxiomSLverschiedene Aspekte des europäischen Finanzsystems ist, von Banken zur Verfügung stehendem Kapital (Common Reporting und Financial Reporting) bis zu ihrer Liquidität (Liquidity Coverage Ratio). Dank der Analytical-Credit-Dataset-(AnaCredit)-Verordnung, die aktuell entwickelt wird, zählt das Kreditrisikoengagement demnächst ebenfalls zu jenen Bereichen, die einer verstärkten Überprüfung durch die Aufsichtsbehörden unterzogen werden.

AnaCredit ist ein Projekt zur Schaffung eines zentralisierten europäischen Datenregisters über Kredite, die Finanzinstitute dem nicht-finanziellen Sektor gewähren. Viele nationale Zentralbanken führen bereits heimische Kreditregister. Es gibt jedoch Abweichungen zwischen den von diesen Registern erhobenen Daten ebenso wie bei den von ihnen festgelegten Meldeschwellen. Mit AnaCredit fordert die EZB detailliertere Informationen in regelmäßigeren Abständen und harmonisiert die auf Kreditregister anzuwendenden Regeln, damit die Aufsichtsbehörde die Situation in den europäischen Ländern besser vergleichen kann.

AnaCredit ist bindend für Firmen in den Ländern der Eurozone. EU-Länder ohne Euro-Währung haben jedoch ebenfalls die Möglichkeit, AnaCredit zu implementieren. Schweden und Dänemark haben diesbezügliche Absichten bereits bestätigt.

AnaCredit wird ein wichtiger Test für die regulatorischen Reportingfertigkeiten von Finanzhäusern sein. Es wird erwartet, dass die Verordnung Meldungen für mehr als 140 Datenattribute vorsieht – deutlich mehr als gegenwärtig von heimischen Kreditregistern. Die Daten, auf die in Diskussionspapieren der EZB Bezug genommen wird, umfassen Angaben, die für externe Reportingzwecke zum jetzigen Zeitpunkt nicht benötigt werden. Dementsprechend ist es unwahrscheinlich, dass Firmen aktuell alle erforderlichen Daten zur Verfügung stehen. Die Daten, die ihnen zur Verfügung stehen, sind wahrscheinlich über verschiedene IT-Systeme und Tabellen verteilt, folgen unterschiedlichen Formaten und unterliegen unterschiedlichen Qualitätskontrollen.

Die EZB hat angedeutet, dass sie auf Kreditnehmerebene eine Grenze von 25.000 Euro für meldepflichtige Kreditinstrumente (einschließlich Kredite, Derivate und außerbilanzmäßiger Risiken) festzulegen gedenkt. Das ist deutlich niedriger als gegenwärtig üblich. Das bedeutet, dass Unternehmen deutlich mehr Risiken melden müssen und dass kleinere Institutionen, die sich bisher außerhalb des Reportingrahmens bewegten, nun betroffen sind.

Eine weitere große Herausforderung, die AnaCredit birgt, ist die Häufigkeit des Reportings. Es wird erwartet, dass die EZB die Meldung nicht-prudentieller Daten auf monatlicher und prudentieller Daten auf vierteljährlicher Basis verlangt. Dies stellt ebenfalls eine starke Abweichung von der gegenwärtigen Norm heimischer Kreditregister dar. Effektiv bedeutet dies, dass mit AnaCredit Firmen deutlich weniger Zeit haben, um deutlich detailliertere Berichte über eine deutlich größere Anzahl Kreditrisiken zu erstellen.

Wann tritt dies alles in Kraft? Die EZB plant, AnaCredit-Reporting in drei Phasen einzuführen: Ab Ende 2017 müssen Firmen juristischen Personen gewährte Kredite melden, ab Mitte 2019 müssen sie auf konsolidierter Basis auch über wichtige, unter der Bankenaufsicht der EZB stehende Institutionen berichten und ab Mitte 2020 müssen sie zusätzlich anonymisierte Daten über Hypothekendarlehen für Haushalte und gewährte Kredite für Einzelunternehmer melden.

Wie können Firmen sich vorbereiten? Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für Firmen, zu erwägen, ob sie über die für die Einhaltung von AnaCredit erforderliche Technologie für Datenmanagement und regulatorisches Reporting verfügen. Sie sollten analysieren, ob sie über die erforderliche Datenintegrationsfunktionalität verfügen, die für die Aggregation und Normalisierung von Daten, die zurzeit in verschiedenen Systemen verwahrt werden, unerlässlich ist.

Des Weiteren sollten Firmen überlegen, ob ihre aktuellen Systeme und Verfahren skalierbar sind, um sich AnaCredit anzupassen. Unter Umständen eignen sich ihre vorhandenen Systeme und Verfahren lediglich für das gegenwärtige Reportingvolumen und die damit einhergehende Häufigkeit. Aber sind sie auch dann noch zwecktauglich, wenn sich die Anzahl der Berichte und deren Häufigkeit erhöht? Möglicherweise erstellen manche Firmen die Berichte an ihre heimischen Kreditregister zurzeit manuell. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass dies weiterhin der Fall sein wird, wenn AnaCredit die Anzahl der meldepflichtigen Risiken erhöht.

Zuletzt sollten Firmen auch darüber nachdenken, wie sie die hohe Anzahl Berichte, die sie für AnaCredit übermitteln müssen, abzeichnen können. Dazu benötigen Firmen eine Plattform, die das Reportingverfahren nicht nur automatisiert, sondern auch über Funktionalitäten wie Business-Dashboards und Managementinformationen (MI) verfügen. Auf diese Weise können Benutzer ihre Berichte vor dem Übermitteln prüfen und abzeichnen, was Firmen die Gewissheit gibt, dass sie alle ihre Berichte ordnungsgemäß erstellt haben.

Während die EZB nun dabei ist, ihre AnaCredit-Anforderungen zu finalisieren, ist es für Firmen an der Zeit, strategisch über das Reporting von Kreditdaten nachzudenken und sich auf eine neue Ära vorzubereiten, in der Aufsichtsbehörden ihr Kreditrisikoengagement wie nie zuvor unter die Lupe nehmen.

This article was originally published by Börsen-Zeitung.

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