Zeit für Banken, die durch Regulierungen geschaffenen Gelegenheiten zu ergreifen

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Von Ralf Menegatti, Produkt Manager Finanzberichte / Meldewesen EMEA, AxiomSL

Im Laufe der Jahre seit der Finanzkrise hat die Europäische Union umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um einen neuen harmonisierten Gesetzesrahmen für die Mitgliedstaaten zu schaffen. Auf Finanzdienstleister wirkten die eingeführten Von Ralf Menegatti, Produkt Manager Finanzberichte / Meldewesen EMEA, AxiomSLÄnderungen oftmals überwältigend. Dennoch wird zunehmend deutlich, dass die Marktteilnehmer, anstatt gegen den Strom zu schwimmen, einen Wettbewerbsvorteil für sich gewinnen können, indem sie die Not zur Tugend machen und einen proaktiven Ansatz zur Gesetzeskonformität übernehmen.

Die Einführung von Basel III im Jahre 2009 markierte eine umfassende Änderung für die Finanzindustrie in Europa. Zum ersten Mal wurde den europäischen Behörden, wie z. B. der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA), anstatt den inländischen Überwachungsorganen beträchtliche Verantwortung übertragen. Die von den europäischen Behörden erstellte Liste der Maßnahmen deckt alles ab, angefangen von neuen Berichtsmethoden über Kapital-, Finanz- und Risikodaten (gemeinsame Berichterstattung, Finanzberichterstattung und AnaCredit) bis hin zu neuen Anforderungen hinsichtlich der Berechnung und Berichterstattung über die Liquidität (Deckungsquote, stabile Nettofinanzierungsquote und zusätzliche Liquiditätsüberwachungsdaten).

Die Reaktion in Deutschland auf diese Welle von Gesetzesänderungen war ähnlich wie in anderen Ländern: Handelsorganisationen und Lobbygruppen argumentierten, dass die Erfüllung der Anforderungen zu kostspielig für Marktteilnehmer und die Fristen unrealistisch wären. Es gab auch Bedenken, dass manche Verordnungen nun schwächer wären als die, die bereits in Deutschland in Kraft waren.

Die vom Bundesverband öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) zum Ausdruck gebrachten Bedenken sind typisch. Am Ende des letzten Jahres behauptete der Bundesverband, dass der derzeit nach dem Handelsgesetzbuch erforderliche Standard höher wäre als der IFRS-Standard, der ihn ersetzen sollte. Der Bundesverband argumentierte auch, dass die Gesetzesänderungen zu schnell eingeführt worden wären und sich insbesondere auf kleinere Institutionen ernsthaft negativ auswirken und ihre Wettbewerbsfähigkeit einschränken würden.
Tatsache ist, dass auch ein noch so wirksames Lobbying keine Umkehr der Verordnungen bewirken wird, die auf EU-Ebene vereinbart wurden, und dass trotz bestehender Bedenken die Marktteilnehmer in Deutschland bei der Anpassung an die neuen Anforderungen besser gestellt sind als die meisten anderen, weil der Gesetzesstandard in diesem Land schon immer sehr hoch war.

Nun ist die Zeit für die Finanzinstitute in Deutschland gekommen, sich ihre starke Ausgangsposition zu Nutze zu machen, indem sie die Gesetzesänderungen übernehmen. Es geht nicht nur darum, die Gesetzgeber zufrieden zu stellen, sondern es gibt auch zwingende kommerzielle Gründe dafür, die Gesetzeskonformität zu einem strategischen Ziel zu machen. Dies lässt sich erkennen, wenn man sich die Stresstests der EZB ansieht. Die Banken, die der EZB beweisen, dass sie am stärksten kapitalisiert sind, genießen auch das größte Vertrauen seitens der Anleger und können daher ihre Finanzierungskosten senken.

Insgesamt machen die Gesetzesänderungen, die in Europa implementiert werden, die Region für Anleger attraktiv, die bei der Finanzkrise den Preis für die Investition in hoch riskante, weniger regulierte Instrumente gezahlt haben. Diese Anleger suchen nun nach Finanzinstituten, die einen proaktiven Ansatz im Hinblick auf Gesetzeskonformität aufzeigen.

Was sollten Finanzinstitute also tun, um bei den Gesetzesänderungen gut abzuschneiden und sicherzustellen, dass sie die Gelegenheiten, die sich dabei bieten, für sich nutzen? Die Antwort liegt in der Fokussierung auf ihre eigenen Daten.

Daten sind der rote Faden, der sich durch alle neuen Gesetzesanforderungen zieht. Die Gesetzgeber sind sich einig, dass sie zur Vermeidung einer Wiederholung der weltweiten Finanzkrise von 2007-2008 Finanzdienstleister brauchen, denen sie mehr Informationen über ihre Aktivitäten denn je zuvor, und zwar in kürzeren Intervallen als bisher, zukommen lassen.

Leider haben viele Finanzdienstleister lange bestehende Datenprobleme noch nicht gelöst. Im Ergebnis kann man sagen, dass die Daten, die die Gesetzgeber nun sehen wollen, in der Regel über mehrere Geschäftsbereiche, IT-Systeme und Tabellenkalkulationen verteilt sind. Es gibt oftmals erhebliche Abweichungen in der Qualität der Daten und der Art und Weise ihrer Darstellung. All dies macht es für die Marktteilnehmer extrem schwierig, die Berichte zu vervollständigen, die die Gesetzgeber nun verlangen.

Um diese Probleme zu lösen, benötigen die Firmen Technologien, die ihre IT-Systeme übergreifend konsistent verbinden, Daten aus diesen verschiedenen Quellen gesamtheitlich integrieren und Datenqualitätsprobleme in Verbindung mit manuellen Abläufen beseitigen können. Durch Einsatz der richtigen Datenmanagementtechnologie werden Firmen in der Lage sein, sämtliche ihrer Daten gemeinsam an einem Ort zu bündeln und eine ‚einzig wahre Version’ (im Sinne der referentiellen Integrität) zu erstellen, mithilfe derer sie ihre gesetzlich erforderlichen Berichte ausnahmslos vervollständigen können. Dieselben Daten kommen auch den Firmen zugute, weil sie damit in die Lage versetzt werden, schnellere und genauere Entscheidungen über Fragen, wie z. B. in Bezug auf das Risikomanagement, zu treffen.

Da die europäischen Behörden noch weitere neue Anforderungen einführen, wird es Zeit, dass die Gesetzeskonformität als strategisches Ziel angesehen und die Bedeutung eines gesunden Datenmanagements zur Erreichung dieses Ziels anerkannt wird.

Dieser Artikel wurde ursprünglich in der Börsen-Zeitung veröffentlicht.

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