Vorbereitung für AnaCredit: Es ist soweit

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Von Niall McGowan, Senior Regulatory Analyst, AxiomSL EMEA

AxiomSL | Media Coverage - Börsen-ZeitungNächstes Jahr liegt die Finanzkrise zehn Jahre zurück. Während dieser Zeit hat sich die Branche stark weiterentwickelt und es wurden viele Vorschriften und Anforderungen eingeführt, um sicherzustellen, dass Banken ihre Risiken genauer berechnen und reduzieren können.

Eine der wichtigsten Initiativen, die durch die Europäische Zentralbank (EZB) in der Eurozone eingeführt werden, ist AnaCredit (Analytical Credit Dataset), ein harmonisiertes Meldesystem granularer Kreditdaten von Kreditinstituten auf Einzelkredit-Basis. Es soll die Zentralkreditregister (ZKR) um den Schuldner-für-Schuldner-Fokus ergänzen, die bereits in vielen europäischen Ländern bestehen. Zusätzlich sind für AnaCredit derzeit Daten zu Darlehen an juristische Personen (Unternehmen) erforderlich, während ZKR üblicherweise Daten von natürlichen Personen umfassen. Der Schwellenwert für Meldungen, der durch die kumulative Exposition für eine einzelne Gegenpartei in- und außerhalb der Bilanz bestimmt wird, beträgt 25.000 EUR. Die Zentralbanken haben einen Ermessensspielraum in Bezug auf diesen Betrag – die Zentralbank von Irland und die belgische Nationalbank setzen den lokalen Meldeschwellenwert beispielsweise bei 0 Euro an.

AnaCredit ist verpflichtend für alle Kreditinstitute, die sich in einem Mitgliedsstaat der Eurozone befinden. Das umfasst auch ausländische Niederlassungen von Kreditinstituten. Darüber hinaus haben einige Länder außerhalb der Eurozone ihre Absicht geäußert, freiwillig der AnaCredit-Regulierung beizutreten. Dabei handelt es sich um Bulgarien, die Tschechische Republik, Kroatien, Ungarn, Rumänien und Schweden.

Weniger als ein Jahr vor dem Stichtag für die Meldung des kompletten Datensatzes (Gegenpartei und Kredit) begann im Oktober 2017 die Testübermittlung von Kontrahenten-Referenzdaten in Deutschland. Die Meldung von Gegenparteidaten in Echtzeit ist für Ende Januar 2018 geplant.

In vielen Rechtssystemen haben die Zentralbanken die Chance ergriffen, das bestehende Rahmenwerk zum Gegenparteiausfallrisiko (counterparty credit risk-CCR) zu überarbeiten, um die AnaCredit-Anforderungen umzusetzen und die Datensammlung durch zusätzliche Attribute zu erweitern. Portugal hat beispielsweise die Anzahl der erfassten Attribute im bestehenden CCR von 24 auf ungefähr 180 erhöht und wird nun auch Zinsdaten einbeziehen.

Zu den Herausforderungen für die meldepflichtigen Institute gehört das Ausmaß der Granularität, das für zahlreiche Datensätze erforderlich ist. Dazu gehören Gegenparteidaten, Darlehensstanddaten sowie Sicherheits- und Bürgedaten. Trotz des Ziels der EZB, die Datenerhebung zu harmonisieren, führen die Ermessensspielräume der Zentralbanken dazu, dass es innerhalb der Eurozone Unterschiede im Bereich der Berichterstattung geben wird. Die Anforderung der Validierung und des Abgleichs granularer Daten gegen die aggregierte Eigenkapitalrichtlinie (CRD IV) und das Einreichen aufsichtsrechtlicher Berichte wird ebenso eine Herausforderung darstellen. Zusätzlich müssen die Berichterstatter die Datenherkunft und -transparenz, die durch die 239 Anforderungen des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht gefordert werden, nachweisen. Das bedeutet, dass alle Meldelösungen flexibel genug sein müssen, um den Meldeanforderungen verschiedener Rechtssysteme mit einem beispiellosen Ausmaß an Granularität auf transparente und konforme Weise gerecht zu werden.

Aufgrund der erwarteten Ausweitung von AnaCredit auf einen größeren Kreis Berichtspflichtiger und des Ausmaßes der Produkte und Schuldner, die untersucht werden, können es sich die Berichterstatter nicht leisten, in Bezug auf die Einhaltung der AnaCredit-Regelungen und ähnlicher Vorschriften, die noch folgen werden, kurzfristig zu denken.

Daher sollten Finanzinstitute damit beginnen, ihre derzeitige Datenstruktur und Meldearchitektur zu untersuchen, und mögliche Mängel zu beseitigen, damit die AnaCredit-Anforderungen rechtzeitig vor dem tatsächlichen Inkrafttreten in der EU im September 2018 erfüllt werden können.

Wie in der Börsen-Zeitung veröffentlicht.